Unterhaltende Musik mit hoher Qualität

Natürlich hat auch symphonische Musik vergangener Jahrhunderte ihren festen Platz im Programm des Jugendverbandsorchesters Untermain. Aber dass es nicht immer die Zauberwelt der Operette sein muss, zeigte der Dirigent Michael Köhler mit seinem sehr gut klingenden Verbandsorchester. Er wählte ein abwechslungsreiches Programm, bei dem die Präzision des Orchesters, wie auch des Dirigenten überaus eindrucksvoll war.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem "Florentiner Marsch" von Julius Fucik. Der Marsch wurde äußerst stilgerecht musiziert. Das spektakuläre Crescendo gleich zu Beginn des Marsches stand für das ganze Programm, dass von den jungen Musikern mit viel Feuer und einer mitreißenden Dynamik gespielt wurde. Moderne Filmmusik folgte auf den heiteren Marsch. G: Nowak schrieb ein Arrangement zum großen Filmhit „Fluch der Karibik“. Dem Arrangement liegt eine äußerst komplexe rhythmische wie auch melodische Abfolge zugrunde. Nach nur insgesamt 6 Proben bewältigte das Orchester den schwierigen Part doch sehr überzeugend.

Mit welchen guten Musikern das Orchester bestückt ist zeigte sich in "Buglers Holiday". Sebastian Paulus, Andreas Schneider und Gerald Brand brillierten eindrucksvoll mit ihren Trompeten und spielten das heitere Stück mit viel Energie und einem schönen Trompetensound.

Michael Köhler, der auch durch das Konzert führte kündigte nun den Star und "Paradiesvogel" des Konzertes an. Joanne Bell, eine amerikanische Sängerin, gekleidet in einem überaus bunten Kostüm, betrat die Bühne. Mit ihrer gewaltigen und kraftvollen Stimme interpretierte sie ihre eigene Komposition "Sistered". Dieses zu Beginn sehr nachdenkliche Stück beginnt mit einer sehr stimmungsvollen Ballade, bevor Joanne überleitet zu einem herzerfrischenden Swing. Das Orchester und die Solistin meisterten die verschiedenen Tempi mit einer Selbstverständlichkeit, die beeindruckend war. Joanne Bell sang die Ballade "Summertime", als wäre diese für persönlich komponiert worden. Einfühlsam auf der einen, gewaltig und kraftvollen auf der anderen Seite machte sie ihre afrikanischen und karibischen Einflüsse erlebbar.

Munter ging es weiter mit "The Lion Sleeps Tonight". Passend zum sommerlichen Spätnachmittag, in dem wunderbaren Ambiente des Schloss in Kleinheubach, swingte das Orchester vorangetrieben durch eine noch sehr junge, aber in ihrer Spiellaune kaum zu übertreffende Rhythmusgruppe.

Carlos Santana gehört mit seinem genialen Stil und unverwechselbarem Sound zu einem ganz illustren Kreis von Rockvirtuosen, deren Popularität wohl immer anhalten wird. Seine einprägsamen Hits präsentierte das Verbandsorchester in einem glänzenden Arrangement mit messerscharfen Bläsersätzen und rhythmischen Finessen, die die Vielseitigkeit eines modernen Blasorchesters aufzeigten.

Bühne und Publikum wurden wieder in Anspruch genommen von der Solistin, dem "Paradiesvogel" des Konzertes. Mit "Stormy Weather", 1933 komponiert von Harold Arlen, zeigte Joanne Bell, warum sich vor allem farbige SängerInnen sich mit einem Blues in Szene setzen können. Mit ihren enormen klanglichen Fähigkeiten lotete sie den teils sehr melancholische Text aus und begeisterte damit die Zuhörer im Park. Zum Abschluss des Konzertes konzertierte das Orchester mit Joanne Bell und dem unvergessenen "Night and Day", vor allem bekannt durch Frank Sinatra. In diesem Stück gab der Arrangeur Erich Rachor, der alle Gesangstitel für Joanne Bell arrangierte, ihr noch einmal die Möglichkeit ihre Stimme in all ihrer Vielfalt zu präsentieren. Ein beeindruckender Klangkörper, eine starke Stimme, ein ausgewogenes Programm begeisterten an diesem Spätnachmittag das Publikum im Schlosspark. Erst nach drei Zugaben konnten MusikerInnen und Solistin von der Bühne.

Main Echo 02.07.08

veröffentlicht am: 07.02.2008

Zurück