Ungewöhnlicher Hörgenuss

Konzert: Erster gemeinsamer Auftritt von Musikzug und Woukel Äwenju in der Eichenbühler Pfarrkirche

Was die Zuhörer am Sonntagabend beim Adventskonzert im voll besetzten Kirchenschiff der Eichenbühler Pfarrkirche vom Musikzug Eichenbühl, dem Chor Woukel Äwenju und dem Weilbacher Organisten Steffen Hörst mit weiteren Solisten geboten bekamen, übertraf die Erwartungen bei weitem. Eberhard Merten (Musikzug), Dr. Willi Wagner (Woukel Äwenju) und Organist Steffen Hörst hatten ein anspruchsvolles, rund 100-minütiges Programm ohne Pause auf die Beine gestellt.

Musik über vier Jahrhunderte

Die gelungene Auswahl von 17 Musikstücken bot winterliche und weihnachtliche Musik über vier Jahrhunderte von Vivaldi bis John Lennon. Die Freude und Erwartung auf das Weihnachtsfest gepaart mit Klangexperimenten und Variationen von bekannten Stücken wurde von allen Beteiligten hervorragend umgesetzt. Die Gäste genossen ein akustisches Erlebnis mit großer Vielfalt an Stilen und Interpretationen. Vor allem den zahlreichen Jungmusikern war der Spaß an den etwas anderen Arrangements anzusehen. Die Integration der aus dem Musikprojekt Erftal herangewachsenen Ensemblemitglieder ist eine Bereicherung für die Kapelle, die nunmehr in allen Stimmen gut besetzt ist.

Schon der mächtige Einstieg mit der »Weihnachtlichen Festintrade«, einer altböhmischen Komposition aus dem 18. Jahrhundert, gespielt zu Ehren von Kaisern und Königen, lies aufhorchen. Dominante, schmetternde Fanfaren und Trompeten, begleitet vom dumpfen Rhythmus der Kesselpauken und einem exakt spielenden Orchester zeigte, dass weihnachtliche Freude nicht nur mit leisen Tönen ausgedrückt werden kann. Mit der »Symphonie de fanfare«, einer Komposition aus der Zeit Ludwig XV., wurde in einem moderneren Arrangement das hochherrschaftliche Instrument, die Fanfare dominierend eingesetzt. Früher auch in Kirchen gespielt, dürfte diese hörenswerte Variante heute nicht mehr typisch für Kirchenmusik sein.

Ein ansprechendes Klangbild ergab die Kombination von Orgel (Steffen Hörst), Trompete (Michael Schlosser) und Flöte (Eberhard Merten) bei einem Solo für diese Instrumente nach einer Komposition aus dem 18. Jahrhundert. Ein authentisches Musikerlebnis, in der Eichenbühler Kirche mit dieser Besetzung und Melodien sicher nicht oft zu hören.

Organist Hörst hatte bei seinen Soloauftritten mit der Orgel Freude am Experiment mit ungewöhnlichen Klangeindrücken. Bei »Some special pipes for christmas« lies er alte Weisen in neuem Gewand ertönen. Die fünf nur jeweils kurz angespielten Stücke hätten unterschiedlicher nicht sein können. Ebenfalls experimentellen Charakter hatte »Rudolph the red nosed reindeer«: Das ist
eigentlich kein Orgelstück, wirkte aber dank sicherem Spiel und Wechsel der Register und sorgte für ungewöhnlichen Hörgenuss.

Voller Sehnsucht gesungen

Der Chor Woukel Äwenju hielt sich mit Einzelauftritten zurück. Sicher, ausdrucksstark und mit knapp 30 Sängern in allen Stimmen gut besetzt, wurde zunächst »Tausendfach besungen«, ein Weihnachtslied, das unter Chören schon als Klassiker gilt. Warm, fröhlich und trotzdem voller Sehnsucht wird Weihnachten erwartet - eine Stimmung, die der Chor überzeugend darstellte.

Ähnlich perfekt auch »December again«, bei dem mit differenzierten Einsätzen einzelner Stimmen und dem Spiel mit Halbtönen eine romantische Stimmung besungen wurde.

Höhepunkt des Konzertes war der erste gemeinsame Auftritt von Musikzug und Woukel Äwenju. Mit den gut 85 Musikern und Sängern wurde es eng im Altarraum der Eichenbühler Kirche. Dennoch schaffte es Chorleiter Dr. Wagner, allen räumlichen und akustischen Anforderungen gerecht zu werden. Erstaunlich: Innerhalb kürzester Zeit fanden beide Partien zu einem homogenen Klangbild, das in dieser Qualität nicht zu erwarten war. Die Ballade »The Rose« war das Erstlingswerk und mehr als ein Achtungserfolg.

Mit dem zweiten Arrangement »Rejoice and be merry« fanden sich die Akteure nah am Original. Stehender und lange anhaltender Applaus war der bis zum Schluss zurückgehaltene Lohn für die hochwertigen Leistungen aller Beteiligten. Vor allem aber die Reaktion des Publikums auf den gemeinsamen Auftritt zeigten, dass sich der zusätzliche Probenaufwand gelohnt hatte und lassen hoffen, dass die neue Kooperation weitere Konzerte folgen lässt.

Siegmar Ackermann
Main-Echo

veröffentlicht am: 01.12.2010

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