Erlenbach Der Präsident des Musikverbands Untermain (MVU) Franz Pilzweger hatte ja recht: Heute werden die lupenreinen Amateure im Musikverein Untermain längst nicht mehr »von Berufsmusikern belächelt«, wie das im Gründungsjahr 1951 gewesen sein soll. Gut 300 Besucher konnte er am Sonntagnachmittag in der Erlenbacher Frankenhalle begrüßen, als das Verbandsjugendorchester mit seinem Konzert das Jubiläumsjahr stilvoll beschloss.
Eingerahmt von den Hörnern auf der linken und den Posaunen auf der rechten Flanke lieferten 45 junge Frauen und Männer eine beeindruckende Leistungsschau mit abwechslungs- und facettenreicher Blasmusik.
Stimmige Ouvertüre
»Wir sind zu allen möglichen Genres verdonnert«, stellte der Dirigent des Jugendblasorchesters Michael Köhler aus Großwallstadt während seiner lockeren Moderation fest - und man konnte hören, dass er sich dabei alles andere als unwohl fühlt. Ohne störende Selbstdarstellung leitete er das Ensemble sicher durch das reichhaltige Programm, auch wenn ganz kritische Zuhörer sich zu Beginn des Konzerts eine etwas konsequentere »Stimmphase« gewünscht hätten.
Schnell aber stimmte alles, herrschte auch in Fabianis »Venezia-Marsch« festliche Harmonie, bevor mit Tschaikowskis »Ouvertüre 1812« für so manchen sicher der absolute Höhepunkt des Konzerts folgte: Das Orchester ließ mit seiner Interpretation der feierlichen Einleitung, dem Marschrhythmus der Armeen, dem Kampf zwischen Marseillaise und russischer Zarenhymne und dem lautmalerischen Aufbau von Glockengeläut und Siegesfeuerwerk so manches Symphonieorchester vergessen und gestaltete die Gegensätze zwischen zarten, nachdenklichen Momenten und lautstarkem Triumph sensibel aus.
»Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen; und jeder geht zufrieden aus dem Haus«, sagt der Direktor im Vorspiel auf dem Theater in Goethes »Faust« - man könnte meinen, der Mann habe das Konzert in der Erlenbacher Frankenhalle gehört, so abwechslungsreich war das gut zweistündige Programm, in dem eingängige Melodien und sehr anspruchsvolle neue konzertante Blasmusik zu einer Einheit verschmolzen.
Virtuos und souverän
Federleicht und elegant erklang Waldteufels Konzertwalzer »Der Schlittschuhläufer«, Ohrwürmer präsentierte das Medley aus »Cats« und »Memories« und Bachs Kantate »Jesu bleibet meine Freude« bot in der Blasmusikfassung eine bewundernswert harmonische und intensive Zäsur, bevor die virtuosen »Armenian Dances« des Alfred Reed eine spannende Kombination aus Folklore und moderner Musik, aus Temperament und technischen Finessen bot, die vom Verbandsjugendorchester unter Köhlers souveräner Leitung überzeugend bewältigt wurde. Noch schwungvoller, etwas leichter und luftiger dann der zweite Teil des Abends, der mit dem frischen, schmissigen »Astronautenmarsch« von Josef Ullrich startete und mit den überzeugenden Tempo- und Rhythmuswechseln im Filmmusikmedley »Star Wars Saga« stilvoll fortgesetzt wurde.
Mal zärtlich, mal kraftvoll
Kontrast war das Aufbauprinzip des Konzerts: Auf Grangers »Irish Tune« mit dem einschmeichelnden Thema, das man aus dem »O Dany Boy« zu kennen glaubt, folgte »Sliding the Blues«, bei dem Michael Köhler das Dirigentenpult verließ und zusammen mit Matthias Lieb, Arno Weimer und Konstantin Kapperer schwungvolle und pointierte Posaunensoli zelebrierte. Bevor Fuciks »Florentiner Marsch« bewies, dass sich in guter Blasmusik tatsächlich Kraft, Schwung und Eleganz zu einem Gesamtkunstwerk vereinen können, kamen die zahlreichen Ernst-Mosch-Fans bei der Polka »Ein halbes Jahrhundert« auf ihre Kosten und durften tatsächlich nahezu authentischen Sound genießen.
Auch bei den beiden Zugaben, die das Publikum stehend erklatschte, dem stimmungsvollen »Can’t take my Eyes off you« und dem »Mens sana in corpore sana«, bewiesen die jungen Musiker ihre Qualitäten, ließen solistische Fähigkeiten in einen harmonischen Ensembleklang münden und gestalteten Tempo- und Dynamikwechsel überzeugend aus.
Heinz Linduschka
Main-Echo vom 18.10.2011
veröffentlicht am: 18.10.2011
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