Miltenberg »Mit Schwung ins neue Jahr« lautete am Donnerstag das Motto des Polizeiorchesters Bayern, das in der Miltenberger Mehrzweckhalle eine grandiose musikalische Schau mit Johann Strauß, Emmerich Kálmán, Franz Lehár und Ralph Benatzky abzog.
Großartige Stimmung

Sopranistin Kerstin Möseneder schmetterte beim Konzert des Polizeiorchesters Bayern am Donnerstag in der Miltenberger Mehrzweckhalle »Heia in den Bergen« mit glasklarer Stimme und zeigte ihr großes Talent. Foto: Wolfgang Tulaszewski
Kein Wunder, wenn der Chefdirigent ein Linzer ist und Johann Mösenbichler heißt. Die Stimmung war von Anfang an großartig. Schon der Revolutions-Marsch des Supertalents Johann Strauß wirkte frisch und beschwingt, und die Ouvertüre zur gleichnamigen Operette »Simplicius« enthüllte köstliche Walzerklänge, von herrlichen Oboen-Soli dezent begleitet. Auch die spritzige Champagner-Polka hat der Wiener musikalische Tausendsassa zu Papier gebracht.
Mit Emmerich Kálmán war ein weiterer Operettenzauberer zu hören, dessen »Csardasfürstin« einen feinen Auftritt für die Sopranistin Kerstin Möseneder bedeutete. Sie schmetterte »Heia in den Bergen« mit glasklarer Stimme und zeigte ihr großes Talent, das an diesem Abend noch öfter auf sich aufmerksam machte.
Zu einer weiteren Kostbarkeit wurde der Delirien-Walzer von Josef Strauß, einem nahen Verwandten der berühmten Sippe. Welch ein Charme ging von diesem Musikstück aus. Herausfordernd trällerte die Möseneder nicht von ungefähr: »Mein Liebeslied muss ein Walzer sein.« Und als die Münchner Polizeimusiker die »Pizzicato-Polka« spielten, war es um das begeisterte Auditorium endgültig geschehen. Professor Mösenbichler ließ den exzellenten Tenor Martin Kiener in der Csardasfürstin mit »die Mädis vom Chantant« auftreten. Wie schön sich dessen Bekenntnis »Alle sind wir Sünder« doch anhörte. Das Gesangssolisten-Duo Möseneder / Kiener holte sich mit »Das ist die Liebe« aus der »Csardasfürstin« weitere Beifallsstürme des enthusiasmierten Publikums. Etwas patriotisch wurde Johann Strauß bei seiner Tondichtung »Eljen a Magyar« (Es lebe der Ungar). Doch die 45 bayerischen Polizeimusiker achteten auf die präzisen Zeichen ihres Chefdirigenten, der überhaupt keinen sozialpolitischen Akzent je aufkommen ließ.
Strauß-Vater erfreute mit seinem »Cachucha Galopp«. Und dann wurde der berühmteste Walzer von Franz Lehár »Gold und Silber« aufgeführt, der in Wiener Kreisen auch hämisch der »Erbschleicher-Walzer« genannt wird. Der bereits 1902 komponierte Tanz hat noch nichts von seiner Faszination verloren und klang einfach umwerfend.
Homogenität und Präzision
Das Polizeiorchester zeichnet sich schlechthin durch Homogenität, Ausgewogenheit und Präzision aus. Und für den richtigen Ausdruck sorgt schon der Professor, der zum Schluss aus Holz und Blech alles herausholte, als die sechsteilige »Fledermaus-Quadrille« zu hören war. Fürwahr, ein Meisterstück von Johann Strauß. Ralph Benatzkys »Weißes Rössl«, eine Vorzeigeoperette für alle Geschmacksarten, beendete den einmaligen Wiener Reigen mit dem wiederholten Auftritt des Gesangssolistenpaars Kerstin Möseneder / Martin Kiener, dass im Salzkammergut man gut lustig sein kann.
Übrigens, der Radetzky-Marsch gehörte auch zu den Zugaben.
Wolfgang Tulaszewsk
Main-Echo vom 15.01.2010
veröffentlicht am: 15.01.2011
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