Konzert: Jugendblasorchester des Musikverbands Untermain erhält stehende Ovationen im Bürgerzentrum Elsenfeld
Elsenfeld Musicalmelodien, Filmmusik, armenische Volksmusik, deutscher Barock und moderne Latin-Rhythmen: Wer bisher dachte, dass Blasorchester nur klassische Märsche mit Tuben und Trompeten blasen, der wurde am Sonntag eines besseren belehrt.
Die zahlreichen Besucher im Bürgerzentrum Elsenfeld bekamen die ganze musikalische Bandbreite ab, die das Jugendblasorchester des Musikverbandes Untermain (MVU) nach nur zehn Monate Proben im Repertoire hat.
Musikalische Einheit
Zu verdanken ist dies motivierten (jungen) Erwachsenen und dem Großwallstädter Dirigenten Michael Köhler. Erst vor zwei Jahren sind die knapp 40 Musiker unter dessen engagierten Leitung zu einer musikalischen Einheit zusammengeschmolzen. Dass das Ergebnis in der Region Seinesgleichen sucht, bestätigte die Zuhörer am Ende mit begeistertem Applaus und stehenden Ovationen.
Anspruchsvoll, anmutig und abwechslungsreich war dementsprechend das Programm des Verbandsjugendblasorchesters. Nach dem »Florentiner Marsch« von Julius Fucik gab bereits die »Leichte Kavallerie« von Franz von Suppé einen Eindruck vom Klangkörper des Orchesters. Donnernd galoppierten Hörner und Trommeln, lautstark triumphierten die Trompeten in dieser weltberühmten Ouvertüre.
Höchste Schwierigkeitsstufe
Dass beim nächsten Stück die Klarinette mal kurz aufquietschte, tat dem glanzvollen Gesamteindruck keinen Abbruch. Hatte sich doch Solist Kilian Reus mit dem 2. Satz von Mozarts Klarinettenkonzert ein schwierig zu spielendes Solo ausgesucht. Der Schwierigkeitsgrad toppte das Jugendblasorchester nur noch mit den »Armenian Dances«. Das als Höchststufen-Konzertstück bekannte Arrangement von Alfred Reed meisterten die jungen Musiker bravourös, gerieten auch bei den vertrackten und ständig wechselnden Rhythmen der orientalischen Volksmusik nicht durcheinander.
An dieser Stelle sei der Appell von Verbandspräsident Franz Pilzweger erwähnt: Der Musikverband öffnet sich auch für andere Kulturen: Jedes Land hat seine Melodien und Rhythmen, das kann nur bereichernd sein.
Dass Blasorchesterensembles durchaus einem klassischen Philharmonieorchester ebenbürtig sein können, bewiesen die Jungmusiker mit der barocken Bach-Kantate »Jesu, bleibet meine Freude«, ebenfalls in einer Bearbeitung von Reed. Zeitgenössisches gab es zum Dahinschmelzen mit Melodien aus dem Musical »Cats«.
Temporeich und hinreißend
Auch nach der Pause zeigte das Jugendblasorchester, dass es in vielen Musikgattungen zu Hause ist: Mit der Hollywood-Filmmusik riss das Jugendblasorchester temporeich mitten in den »Fluch der Karibik«. Den Schlittschuhläufer-Walzer spielte es genauso hinreißend, wie schwierige, aber frische Arrangements. Dabei taten sich auch drei Trompetensolisten Sebastian Paulus (Mainbullau), Katharina Bernard (Laudenbach) und Mario Albrecht (Eisenbach) hervor.
Bis zum letzten Stück
Einen Schwenk in eine ganz andere Stilrichtung vollbrachte das Ensemble mit »Santana« als Blasorchesterversion mit Latin-Elementen. Nach »The Lion sleeps tonight« und über zwei Stunden Konzert verlangte das Publikum noch mehr. Dirigent Köhler musste eingestehen, mit zwei Zugaben am Ende aller einstudierten Möglichkeiten zu sein. Kein Grund, nicht noch mal ganz von vorne anzufangen.
Sylvia Breckl, Main-Echo
veröffentlicht am: 19.10.2010
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