"Wir füllen das Stadion - 2016" - Erfahrungsbericht


Musikverband Untermain mit dabei beim Weltrekord „Wir füllen das Stadion“
 


Im Frankfurter Fußballstadion der Commerzbank-Arena trafen sich am Wochenende tausende Musikerinnen und Musiker um den Rekord des größten Orchesters der Welt zu brechen. Vor drei Jahren waren in Brisbane, Australien 7224 Musizierende zusammengekommen und hatten aktuell bis dahin den Platz im Guinessbuch der Rekorde inne. Nachdem sich sehr schnell über 40 Aktive des Musikverbandes Untermain zur Teilnahme gemeldet hatten, beschloss das MVU-Präsidium, einen Bus unter der Federführung von Christoph Bernard dem Verantwortlichen des „Symphonischen Jugendblasorchesters Untermain“ starten zu lassen.

Am Samstagmorgen um 8.00 Uhr verluden in Großheubach die ersten Musiker ihre Instrumente in den Bus. Eine zweite Zusteigemöglichkeit war in Großwallstadt an der Alten Schule, dem Proberaum des Orchesters. Gut gelaunt und erwartungsfroh steuerte man die Commerzbank-Arena Frankfurt an. Dort angekommen, hieß es an den großen Eingangstoren erstmal warten. Der Einlass war für 10.00 Uhr vorgesehen, und vorher ließ die gelb gekleidete Security auch keinen auf die Anlage. Die Einlasskontrollen waren sehr genau: Plastikflaschen durften wegen der Verletzungsgefahr nicht aufs Gelände und wurden ausnahmslos in großen Mülltonnen entsorgt. Seltsamerweise wurden Notenständer, Instrumente und Mundstücke als nicht so gefährlich angesehen. Durch die äußerst peniblen Kontrollen verzögerte sich natürlich der Einlass, und manch ein Musiker schaute etwas nervös auf die Uhr, da die gemeinsame Probe im Stadion um 11.00 Uhr starten sollte. Gegen halb elf erhielten die Ordner die Anweisung, jeden ungeprüft aufs Gelände zu lassen. So kam es zu der paradoxen Situation, dass die ersten Teilnehmer alle Plastikflaschen, Deos und Tupperdosen abgeben mussten, die nachfolgenden aber alles mit ins Stadion nehmen durften...

Im Stadion selbst war der komplette Innenbereich, auf dem sich normalerweise die Fußballstars der Frankfurter Eintracht tummeln, mit Plastikboden belegt und eng bestuhlt. Die Commerzbank-Arena brummte wie ein Bienenkorb: Instrumente wurden gestimmt, Schlagzeuger testeten die Haltbarkeit ihrer Stöcke, und es ertönte Stimmengewirr an allen Ecken. Der Bereich, in dem sich die Untermain-Musiker ihren Platz suchen sollten, hieß C3 und war recht schnell gefunden. Wir nahmen Platz und ließen die Stimmung im Stadion mit den beeindruckenden Zuschauertribünen rundum auf uns wirken. Die Musiker der „Neuen Philharmonie Frankfurt“ saßen auf der Bühne auf ihren Plätzen – sie waren von uns allerdings über hundert Meter entfernt und wirkten deshalb wie Spielzeugfiguren. Glücklicherweise war direkt über der Bühne „Europas größte LED-Videowand“ (O-Ton des Veranstalters) montiert, über die allerlei Informationen und Werbefilmchen flimmerten.

Pünktlich um 11.00 Uhr erschien das Konterfei von Wolf Kerschek, Dirigent und Komponist aus Hamburg, Leiter der „Neuen Philharmonie Frankfurt“ und Dirigent des größten Orchesters der Welt, auf der Videowand. Das beeindruckende Haarwerk des Dirigenten ließ vor allem unseren Posaunisten Arno, dessen Gesicht sehr viel Platz beansprucht, vor Neid erblassen. Vier Stücke, Auszüge aus Sinfonien von Dvorák und Beethoven, ein Medley aus dem Musical „Starlight Express” und die Hymne „Music was my first love” sollten zur Aufführung gebracht werden. Kerschek probte zuerst die schwierigsten Stellen – naturgemäß jene mit Tempowechseln – und ließ anschließend die kompletten Stücke einmal durchspielen. Ein imposanter Klang für die Mitwirkenden!
 



Nach der Gemeinschaftsprobe konnte jeder seine Utensilien in der sogenannten „Wintersporthalle“ zur Aufbewahrung abgeben. Die Helfer in der Halle taten ihr bestes, um die Instrumentenkoffer schnell mit Markierungen zu versehen und einzulagern. Der Diebstahlschutz muss gewährleistet sein. Es bildete sich sehr bald eine riesige Schlange, und es hieß wieder einmal warten.

Rund um die Sportarena war eine Musikmeile aufgebaut, auf der verschiedene Sponsoren in ihren Ausstellungszelten die Aktion „Wir füllen das Stadion“ unterstützten. Auf 2 Tribünen zeigten während des gesamten Nachmittages diverse Musikgruppen ihr Können. Unverständlicherweise waren gerade um die Mittagszeit nur zwei Essensstände geöffnet, so dass sich auch hier lange Schlangen Bedürftiger aufreihten. Dafür, dass die Verantwortlichen wussten, dass ca. 8.000 Menschen mit Hunger und Durst zu erwarten waren, ein klarer Organisationsfehler. Die tollen Auftritte der Musikorchester und Bands auf der Musikmeile sorgten jedoch für Entschädigung!

Gegen 14.30 Uhr bekam ein Teil des wackeren Häufleins der MVU-Musiker doch Hunger. Mit Hilfe des Smartphonenavis wurde in knapp 2 km Entfernung eine Pizzeria entdeckt, und so begaben sich etwa 15 Musiker auf die Wanderschaft nach Frankfurt-Niederrad. Dort war das Essen sehr lecker und die Preise hielten sich – verglichen mit denen auf dem Stadiongelände – in Grenzen.

So gestärkt lief man später zurück zur Sportarena und holte die Instrumente. Die Osttribüne im Stadion hatte sich mittlerweile mit Zuschauern gefüllt, was nochmals zur tollen Atmosphäre betrug. Der Initiator Jens Illemann und Patrik Meyer von der Stadion Frankfurt Management GmbH begrüßten die Teilnehmer und sie vermuteten, es könnte knapp werden mit dem Weltrekord. Der Rekordrichter vom „Rekordinstitut für Deutschland“ würde die anwesenden Musiker zählen.

 



Als die ersten Takte von Beethovens „Ode an die Freude“ erklangen, wurde es auf einmal ganz ruhig, nur die zarte Melodie der Streicher erfüllte das Stadion. Danach setzten die Bläser ein, die Becken erklangen, der Dirigent lächelte, und nicht nur bei den Untermain-Akteuren erzeugte der gewaltige Klang in der Commerzbank-Arena Gänsehaut. Souverän, konzentriert und diszipliniert brachten die vielen tausend Musiker ihre einstudierten Werke zu Gehör. Eine imposante Leistung! Nach der obligatorischen Zugabe „We will rock you“ leiteten die Musiker mit spontanen, auswendig gespielten Polkas und Faschingshits direkt über in die Abschluss-Party.
 

Die Jägermeister-Blaskapelle betrat die Bühne und sorgte mit Funk, Disco und Jazz-Nummern für Stimmung unter den vielen jugendlichen und weniger jugendlichen Zuschauern. Anschließend, begleitet von der Neuen Philharmonie Frankfurt, traten nacheinander Daniel Wirtz, Johannes Oerding, Angelo Kelly und der Musical-Sänger Franco Leon auf die Bühne und ließen es richtig krachen. Mitten in der Party kam die Nachricht: Wir haben es geschafft! 7548 Musikerinnen und Musiker bildeten das größte Orchester der Welt und haben gemeinsam musiziert. Zu den Klängen von Hey Jude liefen die Untermain-Musiker gegen 23.30 Uhr zum wartenden Bus und machten sich müde, aber gut gelaunt auf die Heimfahrt.

 
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veröffentlicht am: 25.07.2016

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